Tucson (Arizona)

Obwohl es schon um Phoenix ordentlich warm ist wagen wir uns noch ein bissle weiter Richtung Süden bis nach Tucson vor. Aufgrund des omnipräsenten Windes ist es hier noch erträglich, im Sommer wollte ich aber definitiv nicht hier sein! Vorteil: einen Fön braucht man hier nicht, die 100 Meter von der Dusche zum Camper reichen zum trocknen! Nachteil: Staub und Sand überall, erst in der Luft, dann durch alle Ritzen im Camper und im Landy! Trotzdem höre ich eines Abends in den Nachrichten, daß immer mehr Menschen in den Großraum Phoenix ziehen. Auch die vielen, offenbar bereits erschlossenen Baugebiete, die ich überall um Phoenix gesehen habe, scheinen das zu bestätigen. Und das obwohl allgemein bekannt ist, daß die Wasserversorgung hier eigentlich keine Zukunft hat und fast komplett vom „Import“ aus dem langsam versiegenden Lake Mead abhängig ist. Da versteh mal einer die „Eingeborenen“ hier …

Jedenfalls lasse ich mir davon die Laune nicht verderben und besuche zur Aufmunterung ein altes Atomraketen-Silo. Bei Sahuarita hängt nämlich noch eine entschärfte Titan II Rakete in ihrem zum Museum umfunktionierten Silo. Alle ihre Kolleginnen fielen in der Reagan-Ära Strategieänderungen wie dem SDI-Programm zum Opfer. Sie entkam der Zerstörung und dient nun – ohne Treibstoff und ohne ihren 9-Megatonnen-Atomsprengkopf – zur Veranschaulichung der „Nuclear Deterrence“ und „Mutual Assured Destruction (MAD)“ Politik des kalten Kriegs. Und als Filmkulisse! Teile von „Star Trek VIII – First Contact“ wurden hier gedreht und die Trekies unter uns wissen natürlich, daß sie darin das erste „Warp-Raumschiff“ von Zefram Cochrane dargestellt hat.

Auch dem nahegelegenen Tombstone statten wir einen Besuch ab. Die ehemalige Silber-Boomtown, die Ende des 19ten Jahrhunderts einige Jahre lang eine Hochzeit erlebte, besteht heute zum Großteil nur noch als Touristenattraktion. Im historischen Zentrum reihen sich, in z.T. noch original erhaltenen Gebäuden, Souveniershops und Saloons. Im „Freilufttheater“ am OK-Corall wird mehrmals täglich der berühmte gunfight zwischen den Earps und Doc Holliday auf der einen, und den Clantons und McLaurys von den „Cowboys“ auf der anderen Seite nachgespielt. Dank zahlreicher Hollywood-Verfilmungen wissen wir natürlich zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und auch im touristischen Tombstone der Neuzeit läßt man insoweit keine Zweifel aufkommen. Doch wie schon die damalige Bevölkerung von Tombstone scheint man auch heute teilweise noch etwas zwiegespalten zu sein wer, in der damaligen „Grauzone“ eher zu hell oder eher zu dunkel tendierte. Wahrscheinlich dürfte sich das auch einigermaßen die Waage halten. Schon damals wurden die drei Opfer des shootouts, begleitet von einem großen Trauerzug und einem Schild mit der Aufschrift „Murdered in the streets of Tombstone“, auf den berühmten Boothill Graveyard zu Grabe getragen. Und auch heute hängt im OK-Corall interessanterweise eine Gedenktafel für die beiden erschossenen McLaurys, errichtet von der McLaury Familie - wahrscheinlich ein Zugeständnis an die „dunklere Seite“ - mit der Inschrift: „One owes respect to the living, but to the dead one owes nothing but the truth“. Tatsache ist und bleibt jedoch, daß Oberquerulant und „Schießereianzettler“ Ike Clanton selbst unbewaffnet war und den OK-Corall somit fairerweise auch unverletzt verlassen hat.

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